„Volleyball in der originären Art hat einfach was“

ARTIKEL AUS  DER NZ VOM 18.2.2012 von Markus Kaiser

„Wir haben schon das Niveau, die Klasse zu halten“, meint Markus Hartinger. Der Trainer der Regionalliga-Volleyballerinnen des VfL Nürnberg sagt dies ein bisschen trotzig, schließlich steht die Reserve des Zweitligisten auf dem letzten Tabellenplatz in der Südost-Gruppe. „Wir sind besser als unser Stand in der Liga.“

Auch wenn seine Spielerinnen zuletzt zwei Mal mit 0:3 beim TV Altdorf und beim TSV Deggendorf, beides Teams im gesicherten Mittelfeld, aus der Halle gefegt worden sind. Chancen, die eigenen Stärken zu beweisen, haben die Nürnbergerinnen aber nur noch vier Mal: Heute treffen sie im Kellerduell auf den punktgleichen FSV Marktoffingen, gegen den sie in der Hinrunde mit 2:3 verloren haben. Und am letzten Spieltag empfangen sie den TV/DJK Hammelburg in der Altenfurter Ballspielhalle, eine Mannschaft, die sie im ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison ebenso knapp mit 3:2 bezwungen haben.

Auf diese beiden Begegnungen müssen die Vf L-Frauen setzen und weniger auf die beiden Auswärtsspiele beim TSV Nittenau und beim SV Lohhof, bei zwei Teams, gegen die sie in der Hinrunde bereits unterlagen. Wie Hammelburg, dem Bayernliga-Meister der vergangenen Saison, haben sich auch die Nürnbergerinnen nach dem Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse vor allem zu Saisonbeginn schwer getan.

„Es ist eine harte Saison“, sagt Markus Hartinger, der früher zwei Jahre die Zweitliga-Frauen beim VfL trainiert hat und nach einer mehrjährigen Pause in der zweiten Saison die Reserve betreut. „Wir haben lange gebraucht, um uns an das Niveau in der Regionalliga zu gewöhnen.“

Die Aufschläge, die den Vf L-Frauen um die Ohren gehauen werden, haben eine andere Qualität als die in der Bayernliga. Und in der Annahme stehen die meisten Teams deutlich besser als in der Klasse darunter. Deshalb hatten die Spielerinnen vor Saisonbeginn auch zunächst überlegt, ob sie das Aufstiegsrecht überhaupt wahrnehmen wollen. „Ich war ja dagegen“, verrät Markus Hartinger, „ich war aber auch überrascht gewesen, dass es uns gleich raufgespült hat.“ Die Mannschaft aber sprach sich für den Aufstieg aus. „Und da habe ich natürlich mitgezogen“, meint Hartinger, inzwischen 44 Jahre, mit ein paar grauen Haaren mehr als zu seinen Zweitliga-Zeiten und hauptberuflich in die erweiterte Leitung der Comenius-Schule in Hilpoltstein aufgerückt.

Viel zu verlieren hat der VfL sowieso nicht. Weil in der nächsten Saison die Dritte Bundesliga zwischen der Zweiten Bundesliga und der Regionalliga eingeführt wird, gibt es keinen direkten Absteiger. Der Tabellenletzte muss allerdings in die Relegation gegen die jeweils Drittplatzierten der Bayernliga Nord und Süd. Der Beste von den dreien bleibt sicher in der Regionalliga. Ob es die anderen beiden dann auch noch schaffen, hängt davon ab, ob andere Vereine ihre Aufstiegsoptionen wahrnehmen oder Mannschaften aus höheren Ligen zurückziehen. „Wir wollen aber möglichst schon die Relegation vermeiden“, meint Hartinger mit Blick auf die Tabelle, in der neben Marktoffingen auch Nittenau und Hammelburg dicht beisammenstehen.

Mit viel Fleiß trainieren die Spielerinnen in der Ledebour-Schulturnhalle am Dienstagabend. Mitten in einer Übung, einer Art Rundlauf wie beim Tischtennis, schreit Trainer Hartinger ins Feld: „Nicht gucken! Machen! Das sind genau diese Scheißbälle!“ Bis kurz vor 22 Uhr reizt der Coach die Hallenzeit aus und ist selbst engagiert dabei. Bei gelungenen Aktionen verteilt er aber auch Lob: „Okay, so ist es schön!“ Oder: „Jawohl, so ist es schön!“ Die Stimmung in der Mannschaft, sagen auch die Spielerinnen, ist trotz der Niederlagen gut. Die meisten kennen sich aus dem Vorjahr.

Verstärkt wurde die Mannschaft durch Sabine Stadler, eine 19-jährige Mittelblockerin, die wegen ihres Studiums nach Nürnberg gewechselt ist. Außenangreiferin Verena Wutzler, ebenfalls 19 und mit Regionalliga-Erfahrung aus Tübingen, bezeichnet Hartinger gar als „totales Talent“. Und dann trainiert auch noch Daniela Raddatz, bis zur vergangenen Saison im Zweitliga-Team aktiv, einmal die Woche mit und hilft bei jedem zweiten Spiel aus. Auf 16 Spielerinnen ist der Kader dadurch angewachsen.

„Wir brauchen aber auch so viele, weil immer eine ausfällt.“ Egal, ob wegen eines Bänderrisses oder wegen einer Schwangerschaft. „In der vergangenen Saison waren wir zu dünn besetzt“, sagt Hartinger. Auch er selbst hat seit dieser Saison Verstärkung erhalten: mit Daniel Körper einen Co-Trainer, so dass sich Hartinger im Training mehr aufs Beobachten konzentrieren kann, statt selbst Bälle werfen zu müssen. „Das macht wieder richtig Spaß, professionell arbeiten zu können“, sagt der Trainer, der von sich aus aus Zeitgründen abgelehnt hatte, nach dem Rückzug von Michael Raddatz wieder das Zweitliga- Team zu übernehmen. In jedem Fall scheint es ihm mehr Spaß zu machen als seine frühere Aufgabe als Abteilungsleiter, in der er viele organisatorische Aufgaben übernommen hatte: „Ich muss sagen: Volleyball in der originären Art hat einfach was.“

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